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Dem genauen Datum nach war es ein Hoher BC der K.Ö.St.V. Austria zu Wien,
der die Gründung Kürnbergs am 11. Dezember 1899 beschloß. Ich
sage bewußt: "dem genauen Datum nach", denn seine Gründung
war den katholischen Studenten Wiens zur Pflicht der Zeit geworden. Und diese
Pflicht wiederum war bestimmt durch die politische Situation um die
Jahrhundertwende.
Die Gründung des deutschen Reiches und die Einigung Italiens war wie
Wasser auf die Mühlen des engstirnigen Fanatismus kleiner Völker,
deren Österreich durch seine Grenzen viele umfaßte; und deren
höchstes politisches Ideengut die nationale Eigenständigkeit war. Die
gewiß übernationalen Ideen des Habsburgerreiches wurden zu
"Völkerkerker" abgestempelt. Ferner war es auch um die
Jahrhundertwende so, daß es die Häupter der geistlichen Bewegung
nicht scheuten, ihre ersten offenen Kämpfe auf Hochschulboden auszutragen.
Der Student, der in dieser Zeit zum erstenmale seine Füße auf den
Boden der "Alma mater" setzte, war hineingeraten. Allein sich der
großen Masse von Gegnern zu stellen, das hätte keinen Sinn gehabt.
Erste Aufgabe dieser Jahre war es deshalb, die Anzahl der katholischen
Korporationen zu erhöhen, um allen jenen einen Hort zu gewähren, die
gleichen Sinnes waren. Allen diesen Umständen verdanken wir die
Gründung unseres "Kürnbergs", der mit dem
gold-weiß-grünen Panier und dem Rufe "Für Gott, Kaiser und
Vaterland" zum Kampf für ein bedrohtes Ideengut auftrat.
An einem Sonntag im Juni 1899 machten drei geburschte Mitglieder der
"Austria", anläßlich ihres Linzer Aufenthalts, einen
Ausflug über den Freinberg. Die drei waren ein Aktiver, namens NEUNTEUFEL,
ein AH mit dem Namen CLEMENCIC und unser lb. Gründungsbursch AH ZAUNBAUER.
Die drei debattierten eifrig über Couleurangelegenheiten. Es entwickelte
sich dabei ein Plan einer Finkenorganisation in Form eines Lese- und
Redevereines mit dem Ziele einer Art katholischen Akademie. Es kam aber auch
ein Plan zur Sache, der das Aufleben des österr. Cartellverbandes zum
Ziel hatte. Nach langen Debatten kristallisierte sich die Meinung heraus, es
könne die Stärke der Cartellverbindungen am besten dadurch gehoben
werden, daß man Landsmannschaften katholischer Studenten gründe. Die
obengenannten drei hatten von vornherein beabsichtigt, jene Stelle im
Kürnbergerwald zu besuchen, wo einst "Der vom Kürnberg",
ein Minnesänger, gelebt haben soll. Als sie dort angelangt waren, gaben
sie sich das Versprechen, auf die Verwirklichung des besprochen Planes
hinzuarbeiten. Sie sangen als Besiegelung des Planes das "Gott erhalts
...". Aus diesen Gründen wählte man später als Namen
für die Landsmannschaft den des "Kürnbergs".
Als der Senior e. v. "Austria-Wien" am BC vom 11. 12. 1899 das
einstimmig angenommen verkündet hatte, stand die Gründung
"Kürnbergs" und auch "Nordgaus" fest.
Schwieriger gestaltete sich schon die Wahl der Gründungsburschen.
Einerseits mußten es kräftige und wackere Burschen sein,
andererseits sollte der Wahl auch kein Aderlaß für die
"Austria", die ein Jahr vorher zum 50. Regierungsjubiläum Kaiser
Franz Josefs "Rudolfina" gegründet hatte, bedeuten.
Es wurden daher folgende vier Gründungsburschen gewählt :
- cand. phil. Vinzenz MEINDL v/o Alarich aus Linz (x)
- cand. jur. Franz KARLHUBER v/o Norman aus Frauenstein (xx)
- cand. jur. Josef SCHIMPELBERGER v/o Aurel aus Linz (FM)
- stud. phil. Alois ZAUNBAUER v/o Roland aus Linz (xxx)
Unruhe, nein Bestürzung erregte die Gründung im Lager der
deutschnationalen Studentenschaft. Kreise Oberösterreichs und Salzburgs
waren hoch erfreut über diese Gründung, was zahlreiche, spontan
eingetroffene Geldspenden bewiesen. Auf jeden Fall gelang die Finanzierung
glänzend, während andere Gründungen am "Nervus rerum"
litten.
Am konstituierenden BC - Mutterverbindung "Austria" stellte uns
anfangs auch ihre Verbindungsbude zur Verfügung - am 6. April 1900 wurde
zum ersten Senior Vinzenz MEINDL v/o Alarich gewählt. Er stand bereits in
hohen Semestern und Kürnberg hatte an diesem ernsten, gereiften Mann eine
vortreffliche Stütze. Noch dazu nahm er diese Bürde auf sich, da er
bereits "Extralozitierter" war. Es war jedoch eine schwere Zeit und
eine solche Zeit brauchte tüchtige Männer. Die Gegner ließen
sich vom Haß gegen alles Katholische zu Taten hinreißen, die jeder
akademische Sitte Hohn sprachen. Das "Los von Rom", das diese Gegner
jener Zeit brüllten, liegt bestimmt noch jedem AH, der diese Zeit erlebt
hatte, in den Ohren. So kehrte der damalige Senior von einem tumultösen
Bummel einmal mit einem Jackett ohne Schösseln zurück. Meindl
führte aber immer wieder das Fähnlein der Aufrechten in die Aula.
Solange bis es anläßlich des ersten gemeinsamen Couleurbummels am 7.
Mai 1900 dem damaligen Rektor nach fünf Tagen erbitterlichen Kämpfens
zuviel wurde. Der Rektor dimissionierte und ein allgemeines Farbenverbot wurde
ausgesprochen. Dieses Verbot dauerte bis zum 11. Nov. 1900 an. Dann ging es
wieder im Couleur in die Aula, und die Aula war ruhig - Kürnberg hatte -
die Gegner mochten es zugeben oder nicht - durch bewußte und andauernde
Taktik den schwierigen Punkt überwunden.
Wesentlich ist noch jene Tatsache, daß nämlich vom damals stark
deutschnational angehauchten Rektorat den Kürnbergern ihre bordeauxrote
Deckelfarbe verboten wurde. Ein Beweis mehr, daß man unseren Stiftern, wo
man nur konnte, Schwierigkeiten bereitete. Der Grund des Verbotes war der,
daß der Rektor den Kürnbergern vorwarf, sie hätten unehrlicher
Konkurrenz wegen die Kappenfarbe einer bestehenden, deutschnationalen
Vereinigung angenommen. Aus diesem Grund, als Protest gegen dieses Verbot, als
Trotzfarbe, die dem Gegner nur noch mehr die Augen stechen sollten, wählte
man das grelle rosarote Couleur.
Lag nun die Vertretung der Verbindung zunächst in den Händen Meindls,
so war Alois Zaunbauer v/o Roland für den administrativen Teil eine ganz
ausgezeichnete Kraft. Welch Unsummen von Schreibarbeiten zu machen waren,
wieviel Arbeit der erste xxx der Verbindung hatte, läßt sich kaum
ermessen. Außerdem war er auf Grund seiner Statur ein beim Gegner
gefürchteter Schläger, was der Verbindung sehr zugute kam.
Ende November 1902 gab es auf der Universität wiederum wüste
Schlägereien; in der Folge wurde der samstägliche Couleurbummel
verboten.
Hierzu wäre es vielleicht auch nicht am Platze, dem, fast wäre man
geneigt zu sagen, berechtigten Antisemitismus einiger AHAH Stimme zu
verschaffen:
Bei diesem Couleurbummel auf der Uni wurden die Mitglieder der kath.
Studentenkorporationen ständig angepöbelt, belästigt und
gerempelt, ja man drohte ihnen sogar, sie aus der Universität
hinauszuwerfen. Beim Betreten der Uni wurden sie mit Johlen und Pfeifen
begrüßt, man versperrte ihnen den weg und sie konnten nicht auf die
ihnen zugewiesenen Bummelplätze gelangen. Das geschah nicht einmal, nein
wochen- und monatelang. Dabei riß man den kath. Studenten das Couleur vom
Kopfe und in der Folge entstanden ständige Raufereien. Man drängte
schließlich die in Minderheit anwesenden CVer hinaus, verriegelte die
Tore und brüllte die "Wacht am Rhein". Draußen erwiderte
die kath. Studentenschaft mit der Volkshymne und dafür wurden sie durch
die Torspalten angespuckt. Das Interessante kommt aber erst: Besah man sich die
heldische Schar der Schreier, so fand man unter ihnen nicht nur
deutschnationale, sondern ebensoviele Juden.
Im Sommer 1903 nahm die Verbindung korporativ am 4. kath. Lehrertag teil. Die
feierliche Auffahrt zum Festgottesdienst wurde die unmittelbare Veranlassung
der 1904 stattgefundenen Fahnenweihe. "Kürnberg muß eine Fahne
bekommen!", hieß es, als Austria, Rudolfina und Tirolia mit ihren
Fahnen erschienen. Noch am selben Abend begeisterte bei der gemütlichen
Zusammenkunft im kaufmännischen Vereinshaus der schon einmal erwähnte
Karl BUNDSCHUH Hunderte von Anwesenden für diese Idee, die nun in der
unglaublich kurzen Zeit eines Jahres in Erfüllung gehen sollte. Eine noch
am selben Abend eingeleitete Sammlung ergab den ansehnlichen Betrag von 220
Kronen zur Besorgung der Vorarbeiten. Kürnberg hatte in diesen Tagen viele
Freunde gefunden und in OÖ. Festen Fuß gefaßt.
Ein besonderes Freudenfest war die Fahnenweihe am 16. Juli 1904. Sie fand im
Dom zu Linz statt. Die Patenschaft für die Fahnenweihe übernahm die
Kaisertochter Erzherzogin Marie Valerie. Da sie selbst jedoch nicht nach Linz
kommen konnte, sandte sie als Vertreterin Gräfin Elz von Tyllisburg.
Das Jahr 1905 brachte für Kürnberg eine große Änderung!
Anläßlich des Katholikentages fand auf der Kürnbergbude eine
Absprache zwischen den Vertretern des ÖCV und des DCV statt. Es war von
vornherein klar, wollte man die Stärke des CV durch eine Einigung dieser
beiden Gruppen haben, so mußte der kleinere ÖCV im großen DCV
aufgehen. Aus diesem Grunde mußte Kürnberg ein großes Opfer
auf sich nehmen: sollte die Vereinigung nicht scheitern, mußte der
Untertitel Landsmannschaft fallen! Man verzichtete darauf nur
schwer, denn gerade als Landsmannschaft hatte Kürnberg einen steilen
Aufstieg hinter sich. Man versprach jedoch zu helfen und die Umgestaltung
möglichst leicht zu machen: so entstand aus der "Kath.
Landsmannschaft deutscher Hochschüler aus OÖ. und Salzburg" die
Kath. Deutsche Studentenverbindung Kürnberg.
Franz KARLHUBER v/o Norman war Verbindungsjurist und erster Consenior
Kürnbergs. Er verfaßte die Verbindungsstatuten, die erste GO und er
ist Verfasser unserer Couleurstrophen. Ein großer Verdienst Karlhubers war
es, daß er es war, der die erste Verbindungsbude in der Wasagasse 8
aufgestöbert hatte.
Josef SCHIMPELBERGER v/o Aurel war als Tätigkeitsgebiet hauptsächlich
seine Heimat zugewiesen; der erste Fuchsmajor Kürnbergs. Da er schon im
Herbst 1900 die Grazer Universität bezog, hatte seine aktive
Tätigkeit frühzeitig ein Ende gefunden.
Für die erste Bleibe der Kürnberger zeigte sich die Mutterverbindung
verantwortlich. Die damalige Austernbude war im 1. Bezirk in der
Löwelstraße 14. Das Heim war bescheiden und Luxus gab es keinen.
Doch eines war an ihr sehr günstig: die unmittelbare Nähe zur
Universität. In nächster Nähe waren Couleurcafé und
Couleurgasthaus, wo man fast zu jeder Zeit BbrBbr. Treffen konnte. Das war
natürlich für einen jungen, stadtfremden Studio ein großer
Vorteil!
Am 27. Dezember 1900 hielt Kürnberg im Hotel "Schiff" in Linz
seinen ersten Weihnachtskommers ab; damit wurde die lange Periode des
jährlichen Weihnachtskommerses in OÖ. eingeleitet. Über dieses
Fest schrieb eine Linzer Zeitung: "Der Verlauf des Kommerses war sehr
schön, phil. Meindl hielt eine begeisternde Festrede, worauf ein
Damenquartett die Corona mit einem wahrhaft künstlerisch vorgetragenen
Weihnachtslied überraschte." (Linzer Volksblatt)
Vom 11.-13. Februar 1902 sei besonders hervorgehoben: es war der Tag, an dem
Kürnberg endlich ein eigenes Heim gründete, ein Umstand, der zur
Hebung der Bundesbrüderlichkeit fast unentbehrlich war und sich
glänzend bewährte. Die "Kürnbergbude" - im ersten
Bezirk, Wasagasse 8 - hat wegen der Gemütlichkeit, die dort herrschte,
bereits damals einen guten Ruf, sie ersetzte jedem Mitglied einigermaßen
die Familie und bildete mitten in der Großstadt förmlich ein
Stück Heimatland, wo der Landsmann zum Landsmann sprach, wo er sooft
schwärmte von seiner einzigen "Hoamat".
Im August 1902 hielt Kürnberg einen glänzenden Kaiserkommers in
Gmunden ab, dessen herrlicher Verlauf die Landsmannschaft zu dem Beschlusse
ermunterte, ähnliche Veranstaltungen auch in den künftigen Jahren
abzuraten und hierzu verschiedene Orte unseres Heimatlandes zu wählen. Von
diesem ersten sogenannten Kaiserkommers wäre besonders hervorzuheben,
daß der Obmann des "kath. Lehrervereines von OÖ.", Karl
BUNDSCHUH, dem "Kürnberg" namens dieses Vereines ein
Wunderschönes Trinkhorn überreichte, das auch eine Widmung des
Vereines ziert. Die Gastlichkeit der herrlichen Stadt Gmunden zeigte auch der
Ausflug am nächsten Tag zum "Hoisenwirt", an dem sich mehr als
100 Personen beteiligten!
Im Jahr 1910 hatte Kürnberg wiedereinmal Grund zu richtiger Freude: man
bezog anläßlich des 10. Stiftungsfestes ein neues, geräumiges
Quartier in der Rathausstraße 20. Doch diese Freude dauerte nicht lange
an: das Haus wurde an einen Juden verkauft und bald hatte die "schwarze
Gesellschaft" die Kündigung in Händen. Kurze Zeit besaßen
die Kürnberger eine Notwohnung in der Neudeggergasse 7, dann gelangten sie
in den Besitz einer Bude im 8. Bezirk, Wickenburggasse 19. Dies war im Jahre
1912.
Nur allzu schnell kam eine Zeit, in der es aus war mit feierlichen, frohen
Festen und mit oft harten, aber die Reihen der Verbindung stärkenden
Kämpfen auf akademischem Boden: der 1. Weltkrieg brach herein. Mit
ihrem jungen Leben mußten auch die Kürnberger eintreten für
das, was sie als höchstes Gut zu schätzen geschworen hatten, oder die
eben in dieser Zeit ihren "Einjährigen Präsenzdienst"
absolvierten. Ab Kriegsausbruch Ende 1916 kamen dann noch der Großteil
der übrigen BbrBbr. unter die Fahne. Kürnberg hatte nahezu den
gesamten Stand an AHAH und Aktiven dem Vaterland gestellt. In Klosterneuburg
wurden ein "Kriegsausschuß" unter dem Vorsitz des Phil.-x Prof.
SILBERHUBER gebildet. Dieser Ausschuß bestand anfangs nur in der Person
dieses um die Verbindung so verdienten Mannes, bis ihm 1916 der aktive Bursch
Adolf KAINDL helfend beisprang, der nicht eingezogen wurde. Ein Hauptziel war
es, den Kontakt mit den eingerückten BbrBbr. aufrechtzuerhalten. In
Rundbriefen wurden sie über die Ereignisse in der Verbindung und über
das Schicksal der im Felde stehenden BbrBbr. auf dem Laufenden gehalten. Diese
"Rundbriefe" taten außerordentlich viel dazu, das
Zusammengehörigkeitsgefühl der Kürnberger auch in diesen Zeiten
niemals erlöschen zu lassen.
Die in ihren Urlauben nach Wien kommenden BbrBbr. feierten gerne ihr
Wiedersehen auf dem Boden ihrer lieben Verbindung; die Weihnachtsfeier dieses
Jahres versammelte eine stattliche Runde von AHAH und Aktiven an der Kneiptafel
in echter und ungebrochener Freundschaftsstimmung.
Das unerschrockene Auftreten der CVer im Kriege hatte den Gegner so große
Achtung eingeflößt, daß man ihnen wenigstens den Couleurbummel
ohne Störung zuerkannte.
In den Bedrängnissen des letzten Kriegsjahres war Adolf KAINDL als
einziger Vertreter der Kath. Deutschen Hochschülerschaft in den
Studentenausschuß der Universität Wien entsandt. Nach dem traurigen
Kriegsende im November 1918 und unter den drückenden wirtschaftlichen
politischen Verhältnissen gingen die Heimkehrer wieder daran, im Verein
mit der nachstrebenden Jugend, die selbst vielfach Kriegsdienste geleistet
hatte, den geliebten "Kürnberg" wieder aufzubauen.
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