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 Die Geschichte Kürnbergs

 
Dez. 1899BC der AW zur Gründung "Kürnbergs"
6.4.1900konstituierender BC
Feb. 1902Eigene Bude in der Wasagasse 8
Aug. 1902Überreichung des Trinkhorns
1905Fall des Untertitels "Landsmannschaft"
1906Aufnahme in den CV
1910neue Bude in der Rathausstraße 20
1912neue Bude Wickenburggasse 19
1932aktuelle Bude in der Bankgasse 3
15.7.1933Abschaltung des ÖCV vom CV
13.3.1938SA stürmt Kürnbergbude
13.3.1938erstes NS-Opfer: Bbr. BERNEGGER in Linz
1938Auflösung des Vereins
1938-1945Widerstand in der "Standarte 105"
10.6.1946Wiederbegründung als "K.Ö.St.V. Kürnberg"

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1. Die Zeit von 1900 bis 1918

Dem genauen Datum nach war es ein Hoher BC der K.Ö.St.V. Austria zu Wien, der die Gründung Kürnbergs am 11. Dezember 1899 beschloß. Ich sage bewußt: "dem genauen Datum nach", denn seine Gründung war den katholischen Studenten Wiens zur Pflicht der Zeit geworden. Und diese Pflicht wiederum war bestimmt durch die politische Situation um die Jahrhundertwende.

Die Gründung des deutschen Reiches und die Einigung Italiens war wie Wasser auf die Mühlen des engstirnigen Fanatismus kleiner Völker, deren Österreich durch seine Grenzen viele umfaßte; und deren höchstes politisches Ideengut die nationale Eigenständigkeit war. Die gewiß übernationalen Ideen des Habsburgerreiches wurden zu "Völkerkerker" abgestempelt. Ferner war es auch um die Jahrhundertwende so, daß es die Häupter der geistlichen Bewegung nicht scheuten, ihre ersten offenen Kämpfe auf Hochschulboden auszutragen. Der Student, der in dieser Zeit zum erstenmale seine Füße auf den Boden der "Alma mater" setzte, war hineingeraten. Allein sich der großen Masse von Gegnern zu stellen, das hätte keinen Sinn gehabt. Erste Aufgabe dieser Jahre war es deshalb, die Anzahl der katholischen Korporationen zu erhöhen, um allen jenen einen Hort zu gewähren, die gleichen Sinnes waren. Allen diesen Umständen verdanken wir die Gründung unseres "Kürnbergs", der mit dem gold-weiß-grünen Panier und dem Rufe "Für Gott, Kaiser und Vaterland" zum Kampf für ein bedrohtes Ideengut auftrat.

An einem Sonntag im Juni 1899 machten drei geburschte Mitglieder der "Austria", anläßlich ihres Linzer Aufenthalts, einen Ausflug über den Freinberg. Die drei waren ein Aktiver, namens NEUNTEUFEL, ein AH mit dem Namen CLEMENCIC und unser lb. Gründungsbursch AH ZAUNBAUER. Die drei debattierten eifrig über Couleurangelegenheiten. Es entwickelte sich dabei ein Plan einer Finkenorganisation in Form eines Lese- und Redevereines mit dem Ziele einer Art katholischen Akademie. Es kam aber auch ein Plan zur Sache, der das Aufleben des österr. Cartellverbandes zum Ziel hatte. Nach langen Debatten kristallisierte sich die Meinung heraus, es könne die Stärke der Cartellverbindungen am besten dadurch gehoben werden, daß man Landsmannschaften katholischer Studenten gründe. Die obengenannten drei hatten von vornherein beabsichtigt, jene Stelle im Kürnbergerwald zu besuchen, wo einst "Der vom Kürnberg", ein Minnesänger, gelebt haben soll. Als sie dort angelangt waren, gaben sie sich das Versprechen, auf die Verwirklichung des besprochen Planes hinzuarbeiten. Sie sangen als Besiegelung des Planes das "Gott erhalts ...". Aus diesen Gründen wählte man später als Namen für die Landsmannschaft den des "Kürnbergs".

Gedenkstein am Kürnberg bei Linz

Als der Senior e. v. "Austria-Wien" am BC vom 11. 12. 1899 das einstimmig angenommen verkündet hatte, stand die Gründung "Kürnbergs" und auch "Nordgaus" fest.

Schwieriger gestaltete sich schon die Wahl der Gründungsburschen. Einerseits mußten es kräftige und wackere Burschen sein, andererseits sollte der Wahl auch kein Aderlaß für die "Austria", die ein Jahr vorher zum 50. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs "Rudolfina" gegründet hatte, bedeuten.

Es wurden daher folgende vier Gründungsburschen gewählt :

  1. cand. phil. Vinzenz MEINDL v/o Alarich aus Linz (x)
  2. cand. jur. Franz KARLHUBER v/o Norman aus Frauenstein (xx)
  3. cand. jur. Josef SCHIMPELBERGER v/o Aurel aus Linz (FM)
  4. stud. phil. Alois ZAUNBAUER v/o Roland aus Linz (xxx)

Unruhe, nein Bestürzung erregte die Gründung im Lager der deutschnationalen Studentenschaft. Kreise Oberösterreichs und Salzburgs waren hoch erfreut über diese Gründung, was zahlreiche, spontan eingetroffene Geldspenden bewiesen. Auf jeden Fall gelang die Finanzierung glänzend, während andere Gründungen am "Nervus rerum" litten.

Am konstituierenden BC - Mutterverbindung "Austria" stellte uns anfangs auch ihre Verbindungsbude zur Verfügung - am 6. April 1900 wurde zum ersten Senior Vinzenz MEINDL v/o Alarich gewählt. Er stand bereits in hohen Semestern und Kürnberg hatte an diesem ernsten, gereiften Mann eine vortreffliche Stütze. Noch dazu nahm er diese Bürde auf sich, da er bereits "Extralozitierter" war. Es war jedoch eine schwere Zeit und eine solche Zeit brauchte tüchtige Männer. Die Gegner ließen sich vom Haß gegen alles Katholische zu Taten hinreißen, die jeder akademische Sitte Hohn sprachen. Das "Los von Rom", das diese Gegner jener Zeit brüllten, liegt bestimmt noch jedem AH, der diese Zeit erlebt hatte, in den Ohren. So kehrte der damalige Senior von einem tumultösen Bummel einmal mit einem Jackett ohne Schösseln zurück. Meindl führte aber immer wieder das Fähnlein der Aufrechten in die Aula. Solange bis es anläßlich des ersten gemeinsamen Couleurbummels am 7. Mai 1900 dem damaligen Rektor nach fünf Tagen erbitterlichen Kämpfens zuviel wurde. Der Rektor dimissionierte und ein allgemeines Farbenverbot wurde ausgesprochen. Dieses Verbot dauerte bis zum 11. Nov. 1900 an. Dann ging es wieder im Couleur in die Aula, und die Aula war ruhig - Kürnberg hatte - die Gegner mochten es zugeben oder nicht - durch bewußte und andauernde Taktik den schwierigen Punkt überwunden.

Wesentlich ist noch jene Tatsache, daß nämlich vom damals stark deutschnational angehauchten Rektorat den Kürnbergern ihre bordeauxrote Deckelfarbe verboten wurde. Ein Beweis mehr, daß man unseren Stiftern, wo man nur konnte, Schwierigkeiten bereitete. Der Grund des Verbotes war der, daß der Rektor den Kürnbergern vorwarf, sie hätten unehrlicher Konkurrenz wegen die Kappenfarbe einer bestehenden, deutschnationalen Vereinigung angenommen. Aus diesem Grund, als Protest gegen dieses Verbot, als Trotzfarbe, die dem Gegner nur noch mehr die Augen stechen sollten, wählte man das grelle rosarote Couleur.

Lag nun die Vertretung der Verbindung zunächst in den Händen Meindls, so war Alois Zaunbauer v/o Roland für den administrativen Teil eine ganz ausgezeichnete Kraft. Welch Unsummen von Schreibarbeiten zu machen waren, wieviel Arbeit der erste xxx der Verbindung hatte, läßt sich kaum ermessen. Außerdem war er auf Grund seiner Statur ein beim Gegner gefürchteter Schläger, was der Verbindung sehr zugute kam.

Ende November 1902 gab es auf der Universität wiederum wüste Schlägereien; in der Folge wurde der samstägliche Couleurbummel verboten.

Hierzu wäre es vielleicht auch nicht am Platze, dem, fast wäre man geneigt zu sagen, berechtigten Antisemitismus einiger AHAH Stimme zu verschaffen:

Bei diesem Couleurbummel auf der Uni wurden die Mitglieder der kath. Studentenkorporationen ständig angepöbelt, belästigt und gerempelt, ja man drohte ihnen sogar, sie aus der Universität hinauszuwerfen. Beim Betreten der Uni wurden sie mit Johlen und Pfeifen begrüßt, man versperrte ihnen den weg und sie konnten nicht auf die ihnen zugewiesenen Bummelplätze gelangen. Das geschah nicht einmal, nein wochen- und monatelang. Dabei riß man den kath. Studenten das Couleur vom Kopfe und in der Folge entstanden ständige Raufereien. Man drängte schließlich die in Minderheit anwesenden CVer hinaus, verriegelte die Tore und brüllte die "Wacht am Rhein". Draußen erwiderte die kath. Studentenschaft mit der Volkshymne und dafür wurden sie durch die Torspalten angespuckt. Das Interessante kommt aber erst: Besah man sich die heldische Schar der Schreier, so fand man unter ihnen nicht nur deutschnationale, sondern ebensoviele Juden.

Im Sommer 1903 nahm die Verbindung korporativ am 4. kath. Lehrertag teil. Die feierliche Auffahrt zum Festgottesdienst wurde die unmittelbare Veranlassung der 1904 stattgefundenen Fahnenweihe. "Kürnberg muß eine Fahne bekommen!", hieß es, als Austria, Rudolfina und Tirolia mit ihren Fahnen erschienen. Noch am selben Abend begeisterte bei der gemütlichen Zusammenkunft im kaufmännischen Vereinshaus der schon einmal erwähnte Karl BUNDSCHUH Hunderte von Anwesenden für diese Idee, die nun in der unglaublich kurzen Zeit eines Jahres in Erfüllung gehen sollte. Eine noch am selben Abend eingeleitete Sammlung ergab den ansehnlichen Betrag von 220 Kronen zur Besorgung der Vorarbeiten. Kürnberg hatte in diesen Tagen viele Freunde gefunden und in OÖ. Festen Fuß gefaßt.

Ein besonderes Freudenfest war die Fahnenweihe am 16. Juli 1904. Sie fand im Dom zu Linz statt. Die Patenschaft für die Fahnenweihe übernahm die Kaisertochter Erzherzogin Marie Valerie. Da sie selbst jedoch nicht nach Linz kommen konnte, sandte sie als Vertreterin Gräfin Elz von Tyllisburg.

Prunkfahne aus dem Jahr 1904

Das Jahr 1905 brachte für Kürnberg eine große Änderung! Anläßlich des Katholikentages fand auf der Kürnbergbude eine Absprache zwischen den Vertretern des ÖCV und des DCV statt. Es war von vornherein klar, wollte man die Stärke des CV durch eine Einigung dieser beiden Gruppen haben, so mußte der kleinere ÖCV im großen DCV aufgehen. Aus diesem Grunde mußte Kürnberg ein großes Opfer auf sich nehmen: sollte die Vereinigung nicht scheitern, mußte der Untertitel Landsmannschaft fallen! Man verzichtete darauf nur schwer, denn gerade als Landsmannschaft hatte Kürnberg einen steilen Aufstieg hinter sich. Man versprach jedoch zu helfen und die Umgestaltung möglichst leicht zu machen: so entstand aus der "Kath. Landsmannschaft deutscher Hochschüler aus OÖ. und Salzburg" die Kath. Deutsche Studentenverbindung Kürnberg.

Franz KARLHUBER v/o Norman war Verbindungsjurist und erster Consenior Kürnbergs. Er verfaßte die Verbindungsstatuten, die erste GO und er ist Verfasser unserer Couleurstrophen. Ein großer Verdienst Karlhubers war es, daß er es war, der die erste Verbindungsbude in der Wasagasse 8 aufgestöbert hatte.

Josef SCHIMPELBERGER v/o Aurel war als Tätigkeitsgebiet hauptsächlich seine Heimat zugewiesen; der erste Fuchsmajor Kürnbergs. Da er schon im Herbst 1900 die Grazer Universität bezog, hatte seine aktive Tätigkeit frühzeitig ein Ende gefunden.

Für die erste Bleibe der Kürnberger zeigte sich die Mutterverbindung verantwortlich. Die damalige Austernbude war im 1. Bezirk in der Löwelstraße 14. Das Heim war bescheiden und Luxus gab es keinen. Doch eines war an ihr sehr günstig: die unmittelbare Nähe zur Universität. In nächster Nähe waren Couleurcafé und Couleurgasthaus, wo man fast zu jeder Zeit BbrBbr. Treffen konnte. Das war natürlich für einen jungen, stadtfremden Studio ein großer Vorteil!

Am 27. Dezember 1900 hielt Kürnberg im Hotel "Schiff" in Linz seinen ersten Weihnachtskommers ab; damit wurde die lange Periode des jährlichen Weihnachtskommerses in OÖ. eingeleitet. Über dieses Fest schrieb eine Linzer Zeitung: "Der Verlauf des Kommerses war sehr schön, phil. Meindl hielt eine begeisternde Festrede, worauf ein Damenquartett die Corona mit einem wahrhaft künstlerisch vorgetragenen Weihnachtslied überraschte." (Linzer Volksblatt)

Vom 11.-13. Februar 1902 sei besonders hervorgehoben: es war der Tag, an dem Kürnberg endlich ein eigenes Heim gründete, ein Umstand, der zur Hebung der Bundesbrüderlichkeit fast unentbehrlich war und sich glänzend bewährte. Die "Kürnbergbude" - im ersten Bezirk, Wasagasse 8 - hat wegen der Gemütlichkeit, die dort herrschte, bereits damals einen guten Ruf, sie ersetzte jedem Mitglied einigermaßen die Familie und bildete mitten in der Großstadt förmlich ein Stück Heimatland, wo der Landsmann zum Landsmann sprach, wo er sooft schwärmte von seiner einzigen "Hoamat".

Im August 1902 hielt Kürnberg einen glänzenden Kaiserkommers in Gmunden ab, dessen herrlicher Verlauf die Landsmannschaft zu dem Beschlusse ermunterte, ähnliche Veranstaltungen auch in den künftigen Jahren abzuraten und hierzu verschiedene Orte unseres Heimatlandes zu wählen. Von diesem ersten sogenannten Kaiserkommers wäre besonders hervorzuheben, daß der Obmann des "kath. Lehrervereines von OÖ.", Karl BUNDSCHUH, dem "Kürnberg" namens dieses Vereines ein Wunderschönes Trinkhorn überreichte, das auch eine Widmung des Vereines ziert. Die Gastlichkeit der herrlichen Stadt Gmunden zeigte auch der Ausflug am nächsten Tag zum "Hoisenwirt", an dem sich mehr als 100 Personen beteiligten!

Trinkhorn aus dem Jahr 1902

Im Jahr 1910 hatte Kürnberg wiedereinmal Grund zu richtiger Freude: man bezog anläßlich des 10. Stiftungsfestes ein neues, geräumiges Quartier in der Rathausstraße 20. Doch diese Freude dauerte nicht lange an: das Haus wurde an einen Juden verkauft und bald hatte die "schwarze Gesellschaft" die Kündigung in Händen. Kurze Zeit besaßen die Kürnberger eine Notwohnung in der Neudeggergasse 7, dann gelangten sie in den Besitz einer Bude im 8. Bezirk, Wickenburggasse 19. Dies war im Jahre 1912.

Nur allzu schnell kam eine Zeit, in der es aus war mit feierlichen, frohen Festen und mit oft harten, aber die Reihen der Verbindung stärkenden Kämpfen auf akademischem Boden: der 1. Weltkrieg brach herein. Mit ihrem jungen Leben mußten auch die Kürnberger eintreten für das, was sie als höchstes Gut zu schätzen geschworen hatten, oder die eben in dieser Zeit ihren "Einjährigen Präsenzdienst" absolvierten. Ab Kriegsausbruch Ende 1916 kamen dann noch der Großteil der übrigen BbrBbr. unter die Fahne. Kürnberg hatte nahezu den gesamten Stand an AHAH und Aktiven dem Vaterland gestellt. In Klosterneuburg wurden ein "Kriegsausschuß" unter dem Vorsitz des Phil.-x Prof. SILBERHUBER gebildet. Dieser Ausschuß bestand anfangs nur in der Person dieses um die Verbindung so verdienten Mannes, bis ihm 1916 der aktive Bursch Adolf KAINDL helfend beisprang, der nicht eingezogen wurde. Ein Hauptziel war es, den Kontakt mit den eingerückten BbrBbr. aufrechtzuerhalten. In Rundbriefen wurden sie über die Ereignisse in der Verbindung und über das Schicksal der im Felde stehenden BbrBbr. auf dem Laufenden gehalten. Diese "Rundbriefe" taten außerordentlich viel dazu, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kürnberger auch in diesen Zeiten niemals erlöschen zu lassen.

Die in ihren Urlauben nach Wien kommenden BbrBbr. feierten gerne ihr Wiedersehen auf dem Boden ihrer lieben Verbindung; die Weihnachtsfeier dieses Jahres versammelte eine stattliche Runde von AHAH und Aktiven an der Kneiptafel in echter und ungebrochener Freundschaftsstimmung.

Das unerschrockene Auftreten der CVer im Kriege hatte den Gegner so große Achtung eingeflößt, daß man ihnen wenigstens den Couleurbummel ohne Störung zuerkannte.

In den Bedrängnissen des letzten Kriegsjahres war Adolf KAINDL als einziger Vertreter der Kath. Deutschen Hochschülerschaft in den Studentenausschuß der Universität Wien entsandt. Nach dem traurigen Kriegsende im November 1918 und unter den drückenden wirtschaftlichen politischen Verhältnissen gingen die Heimkehrer wieder daran, im Verein mit der nachstrebenden Jugend, die selbst vielfach Kriegsdienste geleistet hatte, den geliebten "Kürnberg" wieder aufzubauen.



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2. Die Zeit von 1918 bis 1938

Die Jahre nach Beendigung des ersten Weltkrieges standen im Zeichen fester Entschlossenheit, das Verbindungsleben wieder aufzurichten. Mit ruhiger Überlegung und mit gutem Gewissen, konnte man darangehen, "Kürnberg" ohne besondere Änderung wieder aufzubauen. Und der Aufbau ging dank des guten Willens und des zähen Zukunftsglauben sehr rasch vor sich.

Der ersten Veranstaltung nach Kriegsende sei besonders gedacht: 1919 wurde in Linz ein Kürnbergtreffen abgehalten, wobei in stiller, aber ergreifender Weise de gefallenen BbrBbr. Gedacht wurde.

Mit dem Jubelstiftungsfest 1925 in Linz hatte Kürnberg sehr zum Ärger seiner Gegner bereits wieder ein Kraftzeichen gegeben. Die Verluste, die ihm der 1. Weltkrieg beigebracht hatte, konnten rasch überwunden werden.

Die Bude in der Wickenburggasse, im Souterrain gelegen und mit bescheidenem Inventar ausgestattet, war den BbrBbr. ein vertrauter Ort. Wer damals der Verbindung als Aktiver angehörte, hatte ein reiches Pensum an Offizien zu erfüllen. In Bbr. Pater HAUMER, dem späteren Pfarrherrn von Maria Treu, hatte die Verbindung einen Seelsorger, der nicht nur die gemeinsamen Gottesdienste zelebrierte, sondern den BbrBbr. Auch manch geistigen Zuspruch gab. Die Fuchsia versammelte sich wöchentlich zum FC und die Burschen trafen sich jeden Freitag abends zum BC. Im Jahre 1927 stießen die ersten Studenten aus dem deutschen Reich zu uns, die vor allem als Conseniore Vorzügliches leisteten, da sie, aus anderen Verhältnissen kommend, das Verbindungsleben im "Kürnberg" vor einer möglichen Erstarrung bewahrten. Auf dem Wochenprogramm stand auch der Gesangsconvent für Burschen und Füchse, der viel heute leider verlorengegangenes studentische Liedergut vermittelte. Nicht unerwähnt seien die TK’s, die nicht allen BbrBbr., gewiß auch nicht allen Tänzerinnen zur reinen Freude gereichen mochten. Unter der Leitung eines geprüften Tanzlehrers und unter dem strengen Regime des Conseniors wurde mancher Kürnberger erstmals mit der Tanzkunst bekannt gemacht. Zu diesen Tanzkursen begleiteten damals noch die Mütter ihre Töchter, nicht selten auch anschließend zu einem Gläschen in das Couleurgasthaus, den "Kaiserhof", gegenüber dem Rathaus.

Den Höhepunkt aber bildeten die Kürnberg-Redouten im Kursalon oder in einem anderen mittleren Ballsaal in Wien, die sich im gesamten WCV besonderer Beliebtheit erfreuten.

Mit finanziellen Schwierigkeiten und Problemen war Kürnberg zu dieser Zeit recht wohl eingedeckt, hatte doch die Altherrnschaft bis 1930 kaum die Zahl 100 überschritten und war mit irdischen Gütern nicht reich bedacht, daß sie hierfür eine wesentliche Unterstützung hätte geben können.

An den Hochschulen hatte sich der CV endgültig durchgesetzt. Im ersten Weltkrieg hatten die "Nationalen" erkennen müssen, daß die katholischen Couleurstudenten trotz Ablehnung der Mensur ihren Mann standen und Waffenbrüderschaft zu halten wußten. Dazu kam, daß zur gemeinsamen Abwehr des immer stärker nach Alleinherrschaft drängenden Austromarxismus Vertreter aus dem gesamten bürgerlichen Lager zur Gegenwehr auftraten, als der Terror der Marxisten Mitte Juli 1927 den Brand des Justizpalastes entfachte. In Studentenfreicorps der Heimwehr, dem Stufko, stand der CVer neben dem Burschenschaftler in einer Reihe, mit demselben vaterländischen Ziel, Österreich vor der Diktatur des Proletariats zu bewahren.

War das Verbindungsleben im Zeitabschnitt 1925-1930 ohne größere Anfechtungen von Innen und Außen abgerollt, so änderte sich dieser Zustand schon im Jahre 1931 wesentlich. Auf Grund der politischen Situation des Jahres und auf Grund des immer größeren Einflusses des Nationalismusses wurde der CV und damit auch "Kürnberg" auf die harte Probe seines Bestehens gestellt. Für das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Verbindung war dieses kämpferische Eintreten für eine Idee ein starker Impuls. Es ist dabei kein Zufall, daß in dieser Zeit der körperlichen Ertüchtigung besondere Aufmerksamkeit zugewendet wurde. In den Jahren 1931 und 1932 gelang es Kürnberg im Wiener CV eine dominierende sportliche Stellung einzunehmen. Beim WCV-Sportfest im Sommer 1931 und 1932 gewann Kürnberg den Faustballbewerb. Im Fußball unterlagen unsere Sportler erst in der Schlußrunde der K.a.V. Norica. In den leichtathletischen Bewerben konnte sie sich in verschiedenen Disziplinen an die Spitze setzten.

Selbstverständlich blieb auch die Verbindung von den politischen Ereignissen, die 1934 in den tagen des Bürgerkrieges und der Ermordung des Bundeskanzlers Cbr. Dr. Dollfuß einen dramatischen Höhepunkt erreichten, nicht unberührt. Der Nationalsozialismus verstand es damals sehr geschickt, die Schwächen des Systems und die gemeinsame Verbundenheit Österreichs mit Deutschland für seine Propaganda auszunützen. Der Nationalsozialismus versprach eine "Umwertung der Werte". Nicht mehr der Geldsack, nicht mehr der Rang und hohes Einkommen, nicht erlistete Macht volksfremde Elemente, wie z.B. des Judentums, dürften das große Wort führen und das Schicksal der deutschen Nation bestimmen. Das deutsche Volk habe es allein zu sein, das nach seinem eigenen Willen die ihm innewohnenden Gesetze und damit sein Leben ordnet. Viele wollten es nicht glauben, daß hinter den schönen Sätzen doch nur ein nackter Materialismus stand, der sich Recht und Moral brutal so zurechtbog, wie es eben im Augenblick nützlich schien. Wie stark die Versuchung gerade in diesem Punkte für jeden CVer waren, zeigt das Schicksal des Gesamtverbandes, dessen Führung ultimativ von den österreichischen Mitgliedsverbindungen einen Verrat am vaterländischen Gedanken und an seinem Mitglied Dollfuß verlangte. Die darauf beschlossenen Trennung des österreichischen von reichsdeutschen CV folgte schon 2 Jahre später am 27. Oktober 1935, bei der CVV in Würzburg die Selbstauflösung des reichsdeutschen CV, zu einem Zeitpunkt, als Kürnberg so wie die anderen österreichischen CV-Verbindungen gefestigter denn je zum alten CV-Gedanken standen.

Im Jahre 1932 gelang es den vereinten Bemühungen von Altherrnschaft und Aktivitas, mit der Miete von fünf Räumen in der Bankgasse 3 einen langgehegten Wunsch nach einer entsprechenden Bude zu verwirklichen. Nun war der Budenbesuch ein sehr reger, zumal sich manche BbrBbr. mit unheimlicher Ausdauer an den 4 Kartentischen des Aufenthaltsraumes vergnügten.

Zu einem der schönsten Stiftungsfesten wurde das 35. Jubiläum in Salzburg. Einen repräsentativen Rahmen gab der Saal des Festspielhauses für den Kommers ab. Zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde allen Teilnehmern der mit mehreren Autobussen unternommene Ausflug auf den Großglockner, der von gutem Wetter begünstigt, viele zum ersten Male in dieser prächtigen Bergwelt führte.

Für das Ende dieses Zeitabschnittes seien einige Zahlen wiedergegeben, die Kürnberg als 10. größte der österr. Verbindungen zeigten. Mit 1. Dezember weist sie einen Stand von 17 Ehrenmitgliedern, 164 Urphilistern, 16 Bandphilistern und 66 Urstudierenden auf.



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3. Die Zeit von 1938-1950

Das Jahr 1938 war für Kürnberg, wie auch für alle übrigen österreichischen Cartellverbindungen ein schicksalhaftes Jahr. Mit dem Einmarsch reichsdeutscher Truppen in Österreich am 11. März 1938 und als am Abend dieses Tages Kanzler SCHUSCHNIGG die ergreifenden Worte sprach: "Gott schütze Österreich!", begann die nationalsozialistische Herrschaft auch in Österreich, in unserer Heimat. Dies bedeutete für Kürnberg den Weg ins Ungewisse.

Viele Kürnberger leisteten damals noch im Sturmcorps, einer Elitegruppe der vaterländischen Selbstschutzverbände, Dienst, wurden aber glücklicherweise noch in letzter Stunde entlassen. So trafen sich noch einige BbrBbr. auf der Bude, nachdem bekanntgeworden war, daß die SA bereits viele CV-Buden besetzt hatte, wurden in aller Eile die Verbindungsgüter in das ChC-Zimmer und in den von AH Dr. FÖRSTER und Dr. SCHICK bewohnten Raum gebracht. Da diese Räume vom Aufenthaltsraum getrennt zugänglich waren, wurden sie mittels einer Visitenkarte als Privatwohnung getarnt. Am Abend des gleichen Tages wurde noch die Bude von SA-Leuten besetzt.

Unter schwerster eigener Gefahr hatten nach dem 13. März mehrere Verbindungsmitglieder das Verbinungseigentum geborgen, als sie die "Privatwohnung" verließen, darunter der damalige Senior Bbr. Dr. HAAS, der auf diese Weise die Prunkfahne rettete. Neben anderen Bundesbrüdern war es hauptsächlich Bbr. Hans EISNER, Bbr. Dr. Hans SCHLICK und Bbr. Dr. PHIPIPPI zu verdanken, daß die Reisefahne, sowie Wichsen und Schläger geborgen wurde. Der Vater des damaligen Seniors HAAS verwahrte die Prunkfahne während der NS-Zeit im Mühlviertel und mauerte sie, als die Zeiten immer kritischer wurden, schließlich ein. Vor dem Zugriff der Russen wurde die Fahne dadurch gerettet, daß sie über die Donau gebracht wurde. In diesen Wirrnissen mußten äußerst wertvolle Aufzeichnungen aus dem Verbindungsleben vernichtet werden, da diese für viele Bundesbrüder nachteilige Folgen gehabt hätten.

Die Umbruchtage des März forderten bereits das erste Opfer: Altsenior Dr. Ludwig BERNEGGER, der als hoher Beamter der Polizeidirekion oft in Erfüllung seiner Amtspflicht gegen Nazis einzuschreiten hatte, wurde auf offener Straße am 13. März 1938 in Linz niedergetrampelt und erschossen.

Im Herbst 1938 fand in der Wohnung des Philisterseniors die Burschung des letzten Fuchsen statt. Über die näheren Umstände der Aufnahme von vier Bundesbrüdern ist leider nichts Näheres bekannt geworden.

Auch die Kürnberger blieben vom Einrückbefehl nicht verschont, sodaß Zusammenkünfte einzelner BbrBbr. mehr dem Zufall überlassen waren. Sämtliche Bundes- und Cartellbrüder waren nun Mitglieder der Standarte 105 - ein Deckname, der aus den römischen Ziffern CV gebildet wurde. Sie trugen die alte CV-Standarte in den Morgen des neuen Österreich als Sinnbild nie erloschenen Freiheitswillens echten Burschentums.

Da Kürnberg im Jahre 1938 als Verein von der Gestapo aufgelöst worden war, mußte nach dem Kriege die vereinsrechtliche Wiederbegründung erfolgen. Auf Antrag unseres Bundesbruders Mag. Georg SIMETSBERGER wurde am 2. März 1938 von der Vereinsbehörde die von der Gestapo verfügte Auflösung vom 31. Juli 1928 aufgehoben. Ein Hoher BC nahm die Wahl des behördlich vorgeschriebenen Vereinsvorstandes vor, der sich nun aus den BbrBbr. Dkfm. Anton LANG, Dkfm. Walter LINSZBAUER, Josef VESELY, Robert VESELY und Dr. Gustav MIKULASCH zusammensetzte. Auch der Verbindungsname "Kath. deutsche Studentenverbindung Kürnberg" wurde von diesem BC nach den Grundsätzen der österr. Republik in "Kath. österreichische Studentenverbindung Kürnberg" umbenannt. Am 10. Juli war die vereinsrechtliche Wiederbegründung abgeschlossen und es konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Das 46. Stiftungsfest am 17. und 18. August 1946, das erste Verbindungsfest nach Wiederaufnahme des Verbindungsbetriebes, war eine frohe Wiedersehensfeier für alle noch lebenden Kürnberger. Das Stiftungsfest wurde durch Anregung des Bbr. Dkfm. Max ZERBS, der auch der Organisator war, in Linz abgehalten. So war nämlich fast allen Kürnbergern die Möglichkeit gegeben, daran teilzunehmen. Da in Linz zur damaligen Zeit alle öffentlichen Säle von Besatzungstruppen besetzt waren, wurde die Rosenburg im Zaubertal als Konvents- und Kommersort gewählt. Am 17. 8. Nachmittags wurde im Rittersaal auf der Rodenburg der AC der Verbindung, an dem über 100 Kürnberger teilnahmen, abgehalten. Zuerst erfolgte ein Bericht über die letzten Tage des offiziellen Bestehens der Verbindung; es war dies ein Bericht des Letzten Verbindungsseniors 1938, Bbr. Dr. Hans GINSEL, ein Referat über die Ereignisse der Kriegszeit. Im Gedanken an die Verstorbenen stellte der Senior fest, daß insgesamt 15 BbrBbr. im Krieg gefallen oder verstorben waren. Von 55 Bundesbrüdern war noch keine Nachricht eingelangt, ein Großteil derselben war vermißt.

Am Abend des 17. August fand der Festkommers statt, der in feierlicher und festlicher Weise begangen wurde. Dabei wurden auch fünf Füchse geburscht. Am Sonntag, dem 18. Aug. fand in der Kalvarienbergkirche die Festmesse statt, zelebriert von dem damaligen Neoburschen Chorherr Lambert Franz Weißl.

Nachdem die erste Hochschulwahl am 19. Nov. 1946 eine mächtige Vertrauenskundgebung für die "Union österreichischer Akademiker" war arbeitete auch einer von Kürnbergs Aktivitas (Bbr. Josef VESELY) im Zentralausschuß der österr. Hochschülerschaft mit.

Inzwischen hatte sich der Verbindungsbetrieb wieder weitgehend normalisiert, was hauptsächlich den Bemühungen Dr. KAINDL’s und einiger Unverdrossener zu verdanken war. Am 9. Okt. 1946 nahm der BC eine provisorische GO einstimmig an. Am 15. Jänner 1947 wurde vom BC die Wiedereinführung verschiedener Pönalia beschlossen und die Branderprüfungsgegenstände wurden festgelegt.

Im Hinblick auf die Keilfrage fand das Stiftungsfest 1947 in OÖ. und zwar am 16. August in Ried im Innkreis statt. Im Oktober 1947 zählte Kürnberg bereits wieder 42 Studierende. Nun wurde auch wie früher die Keilfrage in den Vordergrund gestellt. Am 7. April 1948 wurde in Gmunden bei einer von Bbr. EISNER mustergültig vorbereiteten "Ferialis" die Keilkommission einer ersten Prüfung unterzogen.

Im Sommersemester 1948 gelang es, die übrigen Räume der Bude, die mit Akten aus der NS-Zeit vollgefüllt waren, freizubekommen. Nachdem als erste Möbelstücke Tische und Sessel, jene Spende von AH WIESER aus Altheim, eingetroffen waren, konnte anläßlich des Stiftungsfestes 1949 erstmals ein Budenabend mit Tanz veranstaltet werden - die erste gesellschaftliche Veranstaltung Kürnbergs seit 1945. Nun konnte endlich das Bestreben, die Bude zu einem gemütlichen Heim umzugestalten, verwirklicht werden. Während der Ferien des Jahres 1949 wurde die räumliche Umgestaltung des Verbindungsheimes unter der Leitung von Bbr. UNGER vorgenommen.

Dies war aber auch dringend notwendig geworden, denn für das Studienjahr 1949/50 wurde Kürnberg zur vorsitzenden Verbindung im WCV gewählt. Der BC vom 18. Okt. 1949 betraute die BbrBbr. WENGER (x), SALCHNER (xx), HALLER Fritz (xxx), und SIMETSBERGER bzw. WIESNER Rudolf (xxxx) mit dieser ehrenvollen Aufgabe. Die Arbeit, die Kürnberg im WCV geleistet hatte, war nicht gering. Die Bildungsarbeit im WCV war den Kürnbergern ein großes Anliegen ("Akademia", 1. Jhg. Heft 3, Karl WENGER: "Die Bildungsarbeit im WCV, Ansätze und Programm".).

Am 28. Jänner 1950 überreichte der WCV-Vorsitz Kürnberg Sr. Magnifizenz Prof. MEISTER ein schriftliches Ansuchen an den akademischen Senat um Zustimmung zur Wiederausübung des Farbentragens auf akademische Boden. Dem wurde am 30. Jänner stattgegeben. Am 1. Mai fand die erste Farbenpromotion an der Universität statt. Unter den Promovierten war auch Bbr. Anton NÖBAUER.

Im Jahre 1950 fand Kürnbergs 50. Stiftungsfest am Pfingstsonntag im Stift Kremsmünster statt; der Festkommers war mit 24 Gastchargierten ein Hochfest des Couleurstudententums. Zu Beginn des WS 1950/51 übergab WCV-x Dr. WENGER die Geschäfte des Vorsitzenden im WCV der K.Ö.St.V. NIBELUNGIA. Kürnberg war nun endgültig von den Schäden des 2. Weltkrieges genesen und konnte wieder hoffnungsvoll in eine glücklichere Zukunft blicken.

 
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