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Als schließlich der Verbandsführung ein nationalsozialistischer
Stabsleiter vorgesetzt wurde, der als erste Tat den Ausschluß von
Bundeskanzler Dollfuß verfügte, war ein weitere Verbleiben der
österr. Korporationen im Gesamtverband nicht mehr möglich. Bei einer
dramatischen Sitzung im "Weißen Turm" dem Club der Wiener
Altherrenschaft, führte Hofrat Krasser, der verdiente Philister Senior der "Norica" und Gründer des
ÖCV-Beirates, die Entscheidung herbei: man beschloß, lieber alle
Konsequenzen ertragen zu wollen, als die ideellen Fundamente des
Cartellverbandes zu verlassen. In einem Brief an den deutschen Vorort wurde
schließlich bekannt gegeben, daß "Die österr. Verbindungen mit
Wirkung vom 10.7.1933 ihre Abschaltung vom Reichsdeutschen CV
vorgenommen, und sich als eigener Verband unter dem Vorort Norica
zusammengeschlossen haben". Damit war der dritte österr. Cartellverband
gegründet.
Dieser Entscheidung kommt historischer Bedeutung zu. Hätten die
österr. Korporationen den nationalspezialistischen Kräften im CV
nachgegeben, wären dem Nationalsozialismus in Österreich ungeahnte
Einflußmöglichkeiten offengestanden. In den folgenden Jahren stellte
der Cartellverband eine der stärksten Stützen des eigenständigen
österr. Staatsbewußtseins dar. Wäre dieser Pfeiler schon 1933
gefallen, hätte Hitler mit der Okkupation wohl nicht bis 1938 zu warten
brauchen.
Wie sich ein Nachgeben gegenüber dem nationalsozialistischen Einfluß
auswirkte, zeigte schon bald das Beispiel des Deutschen CV. Die von obenher
eingesetzte Führung entkleidete den Verband rasch seiner wesentlichsten
ideellen Grundlagen. Durch Befehl vom 31.1.1934 wurde das Prinzip Katholizismus
aufgegeben und kurz später das Duellverbot aufgehoben. Ein Jahr darauf
folgte schließlich die Auflösung des Verbandes.
In Österreich hatte die schwere Krise bloß zu einer Stärkung
des CV-Gedankens geführt. Noch 1922 wurde in Wien die
erste CVV
des ÖCV abgehalten, auf der Norica als Vorort bestätigt wurde. Neue
Verbindungen stießen zum Verband, durch die sich bis 1935 die Zahl der
ÖCV-Korporationen auf 26 erhöhte.
Die politische Spannung nahm inzwischen immer mehr zu. Nicht nur seinen
Exponenten im öffentlichen Leben sondern auch in der eindeutigen Haltung
des ganzen Verbandes legte der ÖCV ein Bekenntnis seiner
unverbrüchlichen Treue zu Österreich
ab. Erneut kam es zu schweren Auseinandersetzungen, die vor allem auf
Hochschulboden ausgetragen wurden. Brutale Gewaltakte gegen CVer die sich im
Couleur zeigten, wurden immer häufiger. Für den kath. Farbstudenten
der Zeit vor 1938 gab es, wo immer er auch stand, nur die eine Aufgabe: Kampf
um sein Vaterland, Einsatz für Österreich. Als Österreich durch
die Besetzung durch Hitler am 13. März 1938 seine Freiheit verlor, war
daher das Schicksal des Verbandes besiegelt.
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