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Über uns / CV Geschichte



 Zwischenkriegszeit




Der Ausbruch des 1. Weltkrieges bedeutete ein vorläufiges Ende der hoffnungsvollen Entwicklung des CV. Ein Großteil der Aktivitas und der jüngeren AH mußten einrücken. In kleinem Umfang wurde der Verbindungsbetrieb zunächst weitergeführt. 1917 gab es schließlich in den meisten Verbindungen keine Aktive mehr, sodaß die Leitung auf die AHAH überging. Eine große Zahl von CV'ern fiel an der Front. Der mutige Einsatz der kath. Studenten im Kampf für das Vaterland bewies ihren Gegnern deutlich, daß die so oft verhöhnte Ablehnung von Duell und Mensur keineswegs als Zeichen von Feigheit aufzufassen sei.

Die Heimkehrer fanden 1918 ein zu Tode getroffenes Vaterland. Eine Welt war für sie zusammengestürzt. Doch mit ungebrochenem Mut machten sie sich an den Wiederaufbau. Die Katastrophe hatte in weiten Kreisen zu einer tiefgreifenden Besinnung geführt. Auch der Cartellverband wurde von einer inneren Erneuerungsbewegung erfaßt. nicht zuletzt war es die Auseinandersetzung mit dem damals besonders wirksamen Gedankengut der Jugendbewegung, die auf den CV befruchtend einwirkte.

Gleichzeitig mit dieser inneren Stärkung setzte auch besonders nach außen hin eine neuerliche Ausdehnung des Cartellverbandes ein. Durch den Beitritt des österr. Cartells war die Zahl der Verbindungen des großen CV beträchtlich angewachsen. Nach dem Krieg kam es sowohl in Deutschland als auch in Österreich zu Neugründungen. Darüber hinaus gelang es, den Gedanken des kath. Farbstudententums auch in anderen Ländern zu bearbeiten. Der Schweizerische Studentenverein hatte schon seit seiner Gründung sehr intensiv die Errichtung von Auslandssektionen betrieben. Vom CV war dieser Gedanke erst viel später aufgegriffen worden. 1890 wurde in Freiburg in der Schweiz die Teutonia gegründet. 1896 folgte die Lovania in Löwen, nach deren Vorbild in Belgien mehrere andere Verbindungen entstanden, die aber nicht dem CV angehörten. Das Jahr 1914 setzte dieser Entwicklung ein frühes Ende.

Nach dem 1. Weltkrieg faßte die Idee das kath. Farbstudetentums auch in Ungarn Fuß. Auf Anregung von P. Hugo Lang OSB (Ve), dem späteren Abt von Andechs und St. Bonifaz in München, wurden in Budapest und später auch in anderen ungarischen Hochschulstädten farbentragende kath. Korporationen gegründet. Schon 1919 schlossen sich die ersten dieser Verbindungen zur "Foederatio Emericana" zusammen, die nach dem hl. Emmerich, dem Patron der ungarischen Jugend benannt wurde. Die Emericana breitete sich sehr rasch aus und faßte bald in mehr als 50 Korporationen die gesamte kath. Intelligenz Ungarns zusammen. Auf religiösem, wissenschaftlichen und gesellschaftlichem Gebiet hatte der Verband die gleichen Ziele wie der CV. Obwohl nicht parteigebunden, spielte er im politischen Leben Ungarns zwischen den zwei Weltkriegen eine bedeutsame Rolle. Hochprotektor der Emericana war der jeweilige Fürstprimas von Ungarn. Zum Protektorenkollegium zählten sämtliche Bischöfe des Landes, die Äbte der bedeutendsten Klöster, sowie die großjährigen königlichen Prinzen. Im Aufbau der Korporationen wurde unter anderen Bezeichnungen die Struktur der traditionellen deutschen Verbindungen übernommen. Die Foederatio Emericana war damit der einzige große kath. Studentenverband außerhalb des deutschen Kulturgebietes, der durch den hier verwurzelten Gedanken des Couleurstudententums geprägt wurde.

In den Zwanzigerjahren erreichte das kath. Farbstudententum seine räumlich größte Ausdehnung. Der Cartellverband selbst bestand in sechs Staaten, in Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechoslowakei, Rumänien (Czernowitz) und Danzig. Eine ähnlich weite Ausdehnung hatte auch der Schweizerische Studentenverein mit seinen zahlreichen Auslandssektionen. Dazu kamen noch die nach dem Vorbild des deutschen CV errichteten nicht deutschsprachigen Verbindungen und Verbände, von denen der ungarische Emericana Verband der bedeutendste war.

Kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde durch die Münchner CV-Verbindung "Trifels" dem Apostolischen Nuntius in Deutschland Eugenio Pacelli ihr Ehrenband verliehen. Er bestieg 1939 als Pius XII. den Stuhl Petri. Wiederholt bekannte er sich stolz als Mitglied des CV und hielt noch wenige Monate vor seinem Tode eine ergreifende Ansprache über die Prinzipien des Verbandes.

In Österreich gelang es dem Cartellverband in der Nachkriegszeit, die Vorherrschaft der schlagenden Verbindungen auf den Hochschulen endgültig zu brechen. Im öffentlichen Leben überhaupt stießen damals CV'er zu Positionen vor, die Mitgliedern des Verbandes bisher verschlossen gewesen waren. Es ist vor allem das Verdienst von Richard WOLLEK (AI), den CV zu einem der einflußreichsten Machtfaktoren der ersten Republik gemacht zu haben.

Die Zahl der CV-Verbindungen in Österreich nahm nach 1918 neuerlich zu. Schon im ersten Weltkrieg waren in einigen kleinen Städten von Studierenden, die nicht am Hochschulort ansässig waren, sogenannte "Vororteverbindungen" gegründet worden, so in Hall bei Innsbruck die Vindelicia (1901), in Korneuburg die "Danubia" (1907), in Stockerau die Babenberg und in Klosterneuburg die Welfia (beide 1910). Die drei letztgenannten Verbindungen schlossen sich 1914 zum Niederösterr. Landescartellverband zusammen, der jedoch durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges schon bald ein Ende fand. Nach Kriegsende verlegten die meisten dieser Vororteverbindungen ihren Sitz an den Hochschulort und traten dem CV bei. Bloß "Welfia" bleibt weiterhin in Klosterneuburg.

An verschiedenen Hochschulen gab es damals Studienrichtungen, für die kein Maturazeugnis vorausgesetzt wurde. Studierende dieser Fachgruppen wurden von CV-Verbindungen nur ungern aufgenommen. Für sie wurden nun eigene Verbindungen geschaffen. 1921 wurde an der Hochschule für Bodenkultur der Pflug als Tochterverbindung der Franco-Bavaria gegründet; an der technischen Hochschule in Wien wurde die Norgaugründung "Austro-Danubia", die spätere Aplenland ins Leben gerufen. Beide schlossen sich sofort dem CV an. Im gleichen Jahr wurde auch die "Nibelungia" an der Technischen Hochschule in Brünn in den Verband aufgenommen. Im Jahre 1922 gründete "Nordgau-Wien" die Tochterverbindung "Nordgau-Prag". An der Montanistischen Hochschule in Leoben entstand die kath. Verbindung Glückauf. Die im Jahre 1920 gegründete Bajuvaria-Wien kam 1929 zum CV, und 1927 rief Austria-Innsbruck für die zahlreichen deutschen Studierenden in Innsbruck die Rheno-Danubia ins Leben.

Schon bald nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie zeigten sich unter der kath. Studentenschaft starke restaurative Tendenzen. Aus solchen Kreisen wurde 1922 die farbentragende Verbindung "Maximilliana" gegründet. Wegen ihrer speziellen Zielsetzung konnte sie nicht in den CV aufgenommen werden. Sie gründete einige Tochterverbindungen in Wien, Graz und Salzburg und schloß sich mit ihnen zum Bund kath. österr. Landsmannschaften zusammen, der seither neben dem CV, aber in enger Anlehnung an diesen als zweiter farbentragender kath. Studentenverband in Österreich besteht.

Abschaltung und Widerstand
1. und 2. ÖCV

 
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