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Über uns / CV Geschichte



 1. und 2. ÖCV




Für das Aufkommen des Verbindungswesens standen die Verhältnisse in Österreich weit ungünstiger als in den Nachbarländern. Im Polizeistaat der Vormärzzeit waren korporative Zusammenschlüsse innerhalb der Studentenschaft vollkommen unmöglich. Auf Grunde der revolutionären Tätigkeit der Akademischen Legion wurde aber auch 1848 dem Farbstudententum größtes Mißtrauen entgegengebracht. Nach der Disziplinarordnung von 1849 waren Studentenverbindungen nicht gestatten. Erst 1862 wurde dieses Verbot aufgehoben. Aus diesen Gründen ist es begreiflich, daß in Österreich das Korporationswesen überhaupt und damit auch der CV-Gedanke erst verhältnismäßig spät Fuß fassen konnte.

In der Zeit nach 1848 erlangte der Liberalismus im staatlichen Leben Österreichs immer größere Bedeutung. In den interkonfessionellen "Maigesetzen" von 1868 und der Lösung des Konkordates erreichte diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Die erdrückende Vorherrschaft der Liberalen bewirkte aber schon früher eine starke Gegenbewegung im katholischen Lager. Diese Bewegung kam vor allem im aufblühenden katholischen Vereinsleben zum Ausdruck, das sich auf akademischem Boden in der Gründung katholischer Studentenverbindungen auswirkte.

Am günstigsten lagen die politischen Verhältnisse für die Katholiken Tirols. So entstand auch hier die erste katholische Korporation Österreichs. Die 1864 gegründete Austria-Innsbruck nahm zwar zunächst einen raschen Aufschwung, doch sank die Mitgliederzahl trotz der relativ günstigen Verhältnisse im Jahre 1869 auf einen Aktiven ab. Nur durch tatkräftige Unterstützung von Seiten des St.V. (Helvetia-Oenipontana) konnte diese schwere Krise überwunden werden.

Bedeutend schwieriger war die Situation der katholischen Studenten der Wiener Universität. Hier kam es erst 1876 zur Gründung der "Katholischen geselligen Vereines der Wiener Hochschulen", der seit 1880 den Namen Austria-Wien führte. Obwohl schon früh die wesentlichen Elemente einer farbentragenden Verbindung angenommen werden konnten, konnte man sich erst 1893 zur Umwandlung des Vereines in eine Verbindung entschließen.

Zwei ordentliche Mitglieder und fünf Kandidaten der Austria, die mit dem Vereinscharakter nicht einverstanden waren, gründeten 1883 die erste kath. Korporation mit vollen Farben auf Wiener Boden, die Katholisch-akademische Verbindung Norica. Wie Austria-Innsbruck schloß sich auch Norica sofort dem Cartellverband an. Das Ziel der Austria-Wien hingegen war es alle kath. Studentenvereine und -verbindungen Österreichs zu einem eigenen österr. Verband zusammenzuschließen.

Für einen solchen Zusammenschluß kam zunächst der nichtfarbentragende kath. Studentnenverein "Tirolia" in Innsbruck und die kath. Studentenverbindung "Guelfia" in Graz in Frage. Die diesbezüglichen Verhandlungen führten aber zu keinem Erfolg.

In den Jahren 1886 und 1888 kam es zu zwei weiteren kath. Verbindungsgründungen an österr. Hochschulen. In Prag entstand die Ferdinandea und in Graz die Carolina beide waren der betont deutschnationalen Einstellung der Studentenschaft ihrer Hochschulen auf besonders schwierigem Boden. Mit diesen zwei Verbindungen konnte schließlich am zweiten österr. Katholikentag 1889 Übereinstimmung hinsichtlich der Konstituierung eines österr. Cartells erzielt werden. Als Ziel des Verbandes wurde in den Cartellstatuten festgelegt:

  • Einmütiges Zusammenstehen in der Vertretung der katholischen Interessen überhaupt,
  • der kath. studentischen Interessen insbesondere,
  • Gründung neuer Korporationen an österr. Hochschulen.

Obwohl Carolina-Graz schon kurz nach ihrem Beitritt wieder ausschied und sich dem deutschen CV anschloß, bestand der österr. Cartellverband weiter. 1890 wurde die mit Unterstützung Austria-Wiens und Ferdinandeas gegründete Unitas-Czerowitz als dritte Verbindung aufgenommen. Die baldige Suspendierung der Unitas und der Beitritt Ferdinandeas zum deutschen CV führten jedoch schon 1895 zum Ende des erster österr. Cartellverbandes (1889-1895).

Austria versuchte nun eine Wiedererrichtung des ÖCV durch Schaffung neuer Verbindungen aus den eigenen Reihen. So kam es 1898, anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josefs zur Gründung der dritten kath. Verbindung auf Wiener Boden, der Rudolfina, und schon zwei Jahre später entstanden als weitere Tochterverbindungen Austria's Nordau und Kürnberg. Schon vorher waren die Verhandlungen mit der Innsbrucker Tirolia wieder aufgenommen worden 1900 kam es zum Abschluß des 2. österr. Cartellverbandes zwischen den Wiener Verbindungen der Austria-Familie und Tirolia. 1901 gründete auch Tirolia eine Tochterverbindung, die Leopoldina, die sich 1903 dem ÖCV anschloß. Zum Unterschied vom deutschen Cartellverband, der nur farbentragende Verbindungen aufnahm, waren sowohl im ersten wie auch im zweiten ÖCV farbentragende und nichtfarbentragende Verbindungen und Vereine zusammengeschlossen.

Die schwierige Lage der kath. Studentenschaft, besonders an der Wiener Universität, machte ein einiges Zusammengehen aller kath. Verbindungen unbedingt notwendig. Die langjährige Konkurrenz der beiden Cartelle wurde daher von vielen als großer Fehler empfunden. Als sich die Krisensituation immer mehr zuspitzte, wurde bei Austria unter dem Zwang der Verhältnisse der Gedanke des österr. Cartellverbandes zugunsten der Schaffung einer Einheitsfront der kath. Couleurstudenten aufgegeben.

Nach langwierigen Verhandlungen wurden Austria und ihre drei Töchterverbindungen 1906 feierlich in den deutschen CV aufgenommen. Leopoldina hatte schon 1903 zum deutschen CV gefunden. Um den Verein "Tirolia" nicht zu isolieren, wurde in Wien der farbentragende Verein Amelungia gegründet, der sich jedoch 1911 in eine Verbindung umwandelte und später dem CV Beitrag.

1908 erreichte der Vernichtungskampf gegen die kath. Studentenschaft in den durch den "Wahrmundsskandal" ausgelösten Auseinandersetzungen einen Höhepunkt. Die überaus heftigen Anfeindungen führten jedoch zu einer weiteren Stärkung des Verbandes. In sämtlichen österr. Hochschulen entstanden in diesen Krisenjahren neue Verbindungen In Wien gründete Austria als ältere Tochterverbindung Nibelungia und Aarau, aus der Rudolfina ging die Rugia hervor. Norica, die in diesem Jahre ihr 25. Stiftungsfest feierte, gründete aus diesem Anlaß die Franco-Bavaria und die Marco-Danubia. In Graz entstanden als Tochterverbindung der Carolina die Traungau, in Innsbruck als Tochterverbindung der Leopoldina die Rhaeto-Bavaria. Im besonders gefährdeten Prag war schon 1904 aus der Ferdinanden die Vandalia hervorgegangen, die ihrerseits 1907 die Saxo-Bavaria gründete. Trotz stärkstem Druck der Gegner gelang es dem CV in den Jahren 1907-1913 die Zahl der österr. Verbindungen von elf auf neunzehn zu erhöhen und den Stand der Mitglieder zu verdoppeln. Eine Zeit schwerster Kämpfe hatten den Cartellverband in Österreich zu einer nie dagewesenen Blüte geführt.

Zwischenkriegszeit
Gründung des CV

 
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