Die Geschichte des katholischen Farbstudententums

Der dritte österr. Cartellverband wurde im Jahre 1933 gegründet. Im
Vergleich zu den Bruderverbänden in Deutschland und in der Schweiz ist
seine Geschichte also verhältnismäßig kurz. Seine Erscheinung,
in der es uns heute entgegen tritt, wäre aber nicht zu erklären,
wollte man bloß diese 25 Jahre zur Betrachtung heranziehen. Das kath.
Verbindungswesen hat in Österreich die Tradition von fast einem
Jahrhundert und ist seinerseits nur im größeren Zusammenhang des
kath. Farbstudententums überhaupt zu verstehen.
Der bedeutendste Träger dieser Idee war gewiß der große
Cartellverband, dessen Vergangenheit in seinen beiden Nachfolgeverbänden,
dem ÖCV und dem DCV, weiterlebt. Teils unabhängig von ihm, teils
durch ihn beeinflußt, sind jedoch zahlreiche andere Verbände und
Vereinigungen entstanden, die in das historische Gesamtbild mit eingeschlossen
werden müssen. Neben Deutschland und Österreich setzten sich der
Gedanke des kath. Korporationswesens auch in der Schweiz, in Holland, Belgien
und Ungarn durch. Selbst in Italien, Frankreich und Rumänien wurden
Verbindungen gegründet. Von Czernowitz bis Paris, von Danzig bis Padua und
Rom bekannten sich Studenten durch ihre Farben zum kath. Glauben. Wenn auch
seinem Wesen und seiner Geschichte nach zutiefst im deutschen Kulturraum
verwurzelt, hat das kath. Farbstudententum doch weit über das deutsche
Sprachgebiet hinaus ausgestrahlt und ist zu einer Erscheinung geworden, die
sich in ganz Mitteleuropa durchgesetzt hat.
|