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"Farbentragen" heißt Farben bekennen. Groß war der Kampf des CV um
die Anerkennung seines Farbenrechtes auf akademischem Boden. Sie sind unser
Symbol und Ausdruck eines wahrhaft heldenhaften Ringens um die Anerkennung und
Achtung katholischer Geisteshaltung an den Hochschulen.
Farbentragen heißt somit die Bekundung des Bewußtseins unserer
Verpflichtung als katholische Studenten in Österreich
Farbentragen heißt weiters die unerschrockene Bekundung der
Zugehörigkeit zur Gemeinschaft des CV, der sich niemals mit
Geheimorganisationen im Lager der Gegner gleichsetzten darf, sondern vielmehr
stets den Effekt seines Wirkens unter die Kontrolle der Öffentlichkeit
stellen muß.
Die Farben (stets Band und Mütze) sind nur Teil des Festkleides. Sie haben
auch heute ihren Platz und ihre Berechtigung im studentischen Alltag.
Gäben wir unsere Farben oder unseren Comment auf, so gäben wir uns
selbst auf. Sie sind und bleiben der Mittelpunkt unseres Wesens durch alle
Zeiten.
Wenn wir Farben tragen, sollen wir uns bewußt sein, daß unser
Auftreten das Maß des Ansehens unserer Verbindung und des ÖCV
mitbestimmt. Das gilt zu allererst hinsichtlich unserer Haltung. Der
Couleurstudent muß schon rein äußerlich ästhetisch
wirken, d. h. so aussehen, wie sich ein gut gesinnter Mensch einen
Farbstudenten vorstellt. Der Farbstudent benimmt sich im und ohne Couleur ohne
jede Geziertheit mit natürlichem Anstand, der einem wohlerzogenen jungen
Studenten, gleichgültig welchen Standes, eine Selbstverständlichkeit
ist. "Falle nicht auf, aber bewahre Haltung!" gilt auch, ins Vornehme
übertragen, für den Kürnberger.
Der Grundsatz, daß die Farben in den studentischen Alltag gehören,
besagt jedoch nicht, daß das Couleur überall im täglichen Leben
am Platze ist. Wo hierin die Grenzen liegen, ist die Frage des natürlichen
Taktes. Ganz allgemein kann gesagt werden, daß wir Farben in fast allen
Bereichen des akademischen Lebens tragen können. Das Nämliche gilt
für kirchliche Anlässe. In unserem privaten Leben können wir -
um ein krasses Beispiel zu geben - kein Couleur tragen, wenn wir beim
Kohlenhändler oder Kaufmann eine Bestellung machen.
Die Kleidung des Couleurstudenten muß nicht von auffallender Elegance
sein, denn ein Kürnberger in Couleur ist nicht ausgefallen modisch
gekleidet. Zum Couleur wird nur Anzug mit langer Hose und Krawatte getragen.
Couleur darf nicht zu Knickerbocker, bzw. zur Blue Jeans getragen werden. Zum
Straßenanzug ist zumindest ein lichtes, einfärbiges Hemd
erforderlich. Bei Veranstaltungen, die nicht rein internen Charakter haben (wie
BC, FC), soll nach Möglichkeit ein einheitlicher Anzug getragen werden
(jedenfalls nicht Pullover oder Lederweste). Das Rauchen auf der Straße
soll auf jeden Fall vermieden werden. Zu Festanlässen - etwa
Stiftungsfest, Opernbesuch - wird dunkler Anzug oder Abendanzug mit
weißem Hemd genommen. Das selbe gilt bei Besuch von Festcommersen anderer
Verbindungen. Zur Trauerkneipe trägt man einen dunklen Anzug, weißes
Hemd und schwarze Krawatte.
Zum Couleur darf man keinen Regenschirm tragen. Der Couleurstock oder Bummler
ist unmodern, die Aktentasche couleurfarbig geworden. Schwerere oder
größere Gegenstände dürfen nicht im Couleur getragen
werden (Wichsenkoffer).
Band und Mütze müssen sauber und adrett gehalten sein. Beide werden
nur zusammen getragen. Die Art, die Mütze nach der verwegenen Art bemooster Semester
vergangener Epochen zu tragen, gehört in die Exkneipe. Die Mütze
eignet sich auch nicht dazu wie eine Pullmannmütze zusammengeknüllt
und hernach zerdrückt aufgesetzt zu werden.
Wenn wir Farben tragen, behalten wir die Mütze ständig auf dem Kopf
und zwar auch in geschlossenen Räumen. Ausnahmen sind: Kirchenbesuch und
Totenehrung. Im Hörsaal zieht man die Mütze beim Eintritt des
Vortragenden; die Mütze wird auf (neben) das Kollegheft gelegt. Band ohne
Mütze (z.B. Biertonne oder Cerevis) wird überhaupt nicht getragen.
Der Ehrenplatz ist rechts bzw. in der Mitte. Daher geht z.B. von 4 Personen
die höchststehende in der Mitte rechts, die nächste in der Mitte
links usw.
Unter Couleurstudenten hat Couleur immer Vorrang, (außer es gehen
Studierende zusammen mit älteren AHAH), sodann Chargen gegenüber
anderen Verbindungsmitgliedern, ferner AHAH gegenüber Studierenden und
Burschen gegenüber Fuchsen und schließlich die Älteren vor den
Jüngeren. Unbedingt den Ehrenplatz erhalten jedoch Damen und Geistliche.
Wenn Angehörige verschiedener Verbindungen zusammen in Couleur gehen,
gelten folgende Regeln: zwischen CV-Verbindungen gilt die amtliche Reihenfolge,
jedoch hat der Vorort und die vorsitzende Verbindung des entsprechenden
Ortsverbandes den Vorrang. Gehen Angehörige verschiedener Verbände
miteinander in Couleur richtet sich die Reihenfolge nach dem Alter der
Verbindungen. Beide Regeln gelten jedoch nicht für den Fall, daß
Füchse und Burschen miteinander gehen, da erhalten jedenfalls Burschen den
Ehrenplatz. Das selbe gilt natürlich auch, wenn Studierende und AHAH
miteinander gehen.
Überhaupt hat letztlich im Einzelfall das Taktgefühl jedes Bbr's zu
entscheiden. Grundsatz soll sein: im Zweifelsfall lieber auf den Ehrenplatz zu
Gunsten des anderen verzichten.
Zum Gruß wird die Mütze abgenommen und mit der linken Hand vor die
Brust gehalten, während wir die rechte Hand zum Gruß reichen.
Das Chargencerevis wird zum Gruß nicht gelüftet. Wenn wir mit dieser
Kopfbedeckung grüßen, legen wir die rechte Hand an den Rand des
Cerevis und reichen nachher dieselbe Hand zum Gruß.
Die Biertonne wird zum Gruß abgenommen.
Auch zum Handkuß wird die Mütze abgenommen und mit der linken Hand
vor die Brust gehalten. Für die Frage, wer zuerst grüßt, gilt
das oben gesagte. Selbstverständlich grüßen sich
Cartellbrüder in Couleur, ebenso grüßt der Cartellbruder
"Spieß" (d.h. in Zivilkleidung ohne Farben), den anderen, der Couleur
trägt. Ebenso ist es selbstverständlich, daß katholische
Priester (auch fremde) von Studenten in Couleur gegrüßt werden.
Grußordnung nach Kopfbedeckung:
Das Couleur grüßt Biertonne und Cerevis, bei Gleichheit nach der
amtlichen CV-Reihenfolge. Ebenso wird ein Couleurträger in Damenbegleitung
zuerst gegrüßt.
In offenen Verkehrsmitteln:
In der Straßenbahn und ähnlichen öffentlichen Verkehrsmitteln
hat der Couleurstudent seinen Platz womöglich auf den Plattformen,
Sitzplätze hingegen gelten für den Couleurstudenten als nicht
vorhanden. Die Benützung überfüllter Verkehrsmittel soll in
Couleur lieber vermieden werden. In diesem Falle ist es besser, das
Verkehrsmittel in Spieß zu benützen und am Ort der Veranstaltung die
Farben anzulegen. In Couleur auf Motorrädern, Rollern, Mopeds oder
Fahrrädern zu fahren, ist eine Unsitte, die schärfstens abzulehnen
ist. Hingegen ist es ohne weiters möglich plenis coloribus im Auto zu
fahren.
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